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Recht / Zivilrecht 
Montag, 19.02.2018

Einer Tagesmutter kann die Arbeit in der Wohnung einer WEG nicht ohne Weiteres untersagt werden

Eine Wohneigentümergemeinschaft kann nicht ohne Weiteres verbieten, dass in einer Wohnung der Eigentumsanlage eine Tagesmutter arbeitet. Geräusche von Kindertagesstätten, Spielplätzen oder Ähnlichem seien in der Regel keine schädlichen Umwelteinwirkungen. Dies gelte umso mehr, wenn in der Wohnung nur wenige Kinder betreut werden. So entschied das Amtsgericht Bonn (Az. 27 C 111/17).

Der Eigentümer hatte seine Wohnung an eine Tagesmutter vermietet. Die übrigen Eigentümer der WEG waren mit den Kindern im Haus aber nicht einverstanden. Aus ihrer Sicht war der Hausfrieden gestört. Neben dem erhöhten Lärmpegel monierten sie u. a. die hohe Besucherfrequenz, mehr Schmutz im Treppenhaus sowie einen deutlichen Zuwachs des Mülls durch Windeln. Daher wollten sie der Tagesmutter untersagen, ihre Arbeit zu verrichten.

Das Gericht entschied jedoch, dass durch den Betrieb der Tagesmutter keine extrem große Beeinträchtigung entstehe. Genehmigt sei die Betreuung von zwei bis drei Kindern. Das übersteige nicht den Geräuschpegel einer typischen Familie. Der Kinderlärm sei daher absolut zumutbar. Bei den Kindern handele es sich um Einjährige, die sich nicht einmal rund um die Uhr in der Wohnung aufhielten und zudem noch zwischendurch einen Mittagsschlaf halten. Eventuelle Unfreundlichkeiten im Treppenhaus durch Eltern, die ihre Kinder bei der Tagesmutter abholen, seien ein allgemeines Lebensrisiko.

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