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Recht / Zivilrecht 
Montag, 19.02.2018

Mietwagenrundreise statt kurzfristig vom Veranstalter abgesagter Kreuzfahrt - Anspruch auf Erstattung der Ersatzreise

Wenn ein Reiseveranstalter eine Kreuzfahrt ganz kurzfristig ersatzlos absagt, können Urlauber die Erstattung der Mehrkosten für eine angemessene Ersatzreise verlangen – auch wenn dies keine Kreuzfahrt ist. Daneben kann auch ein Anspruch auf Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit bestehen. So entschied das Oberlandesgericht Köln (Az. 16 U 31/17).

Die Klägerin und ihr Mann hatten eine Karibikkreuzfahrt für zwei Personen im Wert von insgesamt fast 5.000 Euro gebucht. Drei Tage vor Reisebeginn erfuhren sie, dass wegen eines Fehlers des Veranstalters für sie keine Buchung vorlag. Daraufhin unternahm das Ehepaar kurzerhand stattdessen eine Mietwagenrundreise durch Florida. Sie verlangten vom Veranstalter Schadenersatz in voller Höhe des Reisepreises, eine Erstattung der Mehrkosten für die Ersatzreise und Schadensersatz für vertane Urlaubszeit.

Das OLG sprach den Urlaubern die Rückzahlung der Mehrkosten zu. Die Kosten dürften nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil das Reiseziel nun ein anderes war. Die Ersatzreise sei verhältnismäßig gewesen. Der Veranstalter habe ja auch keinen Ersatz anbieten können. Als Schadenersatz haben die Klägerin und ihr Mann allerdings für vertane Urlaubszeit keinen Anspruch auf 100 Prozent des Reisepreises, sondern nur 73 Prozent, da eine freie Verfügung über Zeit aufgrund Nichtstattfindens der Reise zu berücksichtigen sei. Diese Entschädigung trage dem besonderen Zuschnitt der Reise als hochwertige, attraktive Kreuzfahrt ebenso Rechnung wie den Umstand, dass die Reiseveranstalterin die Reise sehr kurzfristig abgesagt hatte und es dadurch dem Ehepaar zusätzlich erschwert wurde, eine angemessene Ersatzreise zu finden.

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